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Specialty des kanadischen Tollerclubs in Kitchener, Ontario, 14.- 17.Mai 2009
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Dank Mo´s genialem Timing durften wir die Specialty des kanadischen Tollerclubs, die alle zwei Jahre ausgetragen wird und zu der dieses Jahr über 150 Toller aus ganz Nordamerika gemeldet waren, miterleben. Ort der Veranstaltung: Kitchener, Ontario. Von Rev´s Heimatort schlappe 6 h Fahrt entfernt, für dortige Verhältnisse also ein Katzensprung. Der offizielle Teil begann Freitagmorgen mit den Jagdprüfungen. Geprüft wurden drei Levels: WC (Working Certificate = Anfängerklasse), WCI (Working Certificate Intermediare = Fortgeschrittene), WCX (Working Certificate Excellent = Open). Dabei ging es jeweils nicht um Platzierungen, sondern lediglich um Bestehen oder Nicht Bestehen. Apportiert wurden ausschließlich Enten. Da die Prüfungen parallel an unterschiedlichen Orten stattfanden, konnten wir nicht alle Klassen verfolgen.
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Was wir sahen, war folgendes: Das WC bestand aus zwei Einzellandmarkierungen. Entfernung jew. ca. 40 m, es war extra der Rasen um die Fallstellen ganz kurz gemäht, damit der Hund die Stücke gut sehen konnte. Zum Einsatz kamen Dummylauncher, die eher wie große Katapulte aussahen und die die Enten gleichzeitig „warfen“ und einen Schuss abgaben. Die Hunde waren bis zur Freigabe angeleint. Wer schlecht markiert hatte, durfte lange suchen, der Hundeführer griff nicht ein. Was mir hier schon auffiel war die überwiegend sehr saubere Abgabe, die sich durch alle Klassen zog. Nach diesen beiden Einzelmarkierungen waren die WC Hunde auch schon fertig. Allerdings betonte der Richter zur Begrüßung, dass sie hier lediglich die Anlagen des Hundes sehen wollen. Das WCX (leider zeitgleich zum WCI, daher von diesem kein Bericht) begann mit einer Doppellandmarkierung, Entfernung wieder ca. jew. 40 – 50 m, kein Geländeübergang, einfach auf eine Wiese im 90° Winkel.
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Die Hunde mussten hier ein kleines Stück frei bei Fuß laufen und es saß ein Verleithund am Ansatz daneben. Danach gab es ein Blind in wieder ca. 40 m Entfernung vor einem Busch. Hier habe ich nicht schlecht gestaunt. Man legt sehr großen Wert auf das exakte Einhalten der vorgegebenen Richtung. Verlässt der Hund diese auch nur um einen Meter, wird er schon ins Stopp gepfiffen und korrigiert. Es gab Hundeführer, die ihren Hund auf die kurze Distanz an die 10 x gepfiffen und korrigiert haben, bevor sie ihn am Stück hatten. Im Gegensatz zu hier gibt es dafür keinen Punktabzug, man will sehen, dass der Hund möglichst exakt auf der vorgegebenen Linie läuft, koste es was es wolle. In der Nähe des Stückes gibt es auch keinen Suchenpfiff, der Hund wird quasi genau draufgeschickt. Selbstständigkeit und Mitdenken seitens des Hundes waren nicht gefragt. Ob das so praxisnah ist? Auf diese Frage bekam ich mehrfach zu hören, dass sich die Hunde in der praktischen Jagd schon gerne mal gewisse Freiheiten zurückerobern, die man dann nach der Saison wieder „heraustrainiert“. Auf die für unsere Verhältnisse geringen Entfernungen angesprochen erklärte man mir, dass diese von Test zu Test sehr variieren können, allzu große Distanzen aber nicht jagdrelevant seien. Die meisten Enten und Gänse schieße man in keiner größeren Entfernung als in der hier verlangten.
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Dann gab es am Wasser eine Doppelmarkierung für die WCI und WCX Hunde, im 90° Winkel, eine Ente ca. 30, die andere ca. 50 m entfernt. Reihenfolge bei WCI beliebig, bei WCX vorgegeben. Der Teich war von vielen kleinen Inseln, Schilf und Gestrüpp durchzogen, wodurch die Hunde gerne falsch markierten. Außerdem trieb die jew. zweite Ente durch den Wind weit ab. In diesen Klassen half der Hundeführer seinem Hund wenn nötig mit Einweisen, und sogar die Werfer durften auf Richteraufforderung Geräusche machen und Steinchen ins Wasser schmeißen, um die Hunde auf den richtigen Kurs zu bringen. Auffallend waren die Startlaute oder besser -schreie, die knapp die Hälfte der Hunde gab, und die wahrscheinlich bis nach Ottawa zu hören waren. Je nach Richter gibt es hier wohl mal mehr, mal weniger Toleranz, bei uns wäre das sicherlich das sofortige Aus für jeden Hund gewesen. Hier war es das für keinen Hund.
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Abschließend erfolgte ein Wasserblind von ca. 50 m für die WCX Hunde. Die Hunde mussten im ersten Drittel durch einen wahren Urwald an Gestrüpp und Schilf, und so ziemlich jeder verlor hier zunächst die Orientierung. Außerdem war der Hundeführer hier für den Hund nicht mehr zu sehen. Die Ente dann schwamm am Ende hinter einem im Wasser treibenden, glibberigen großen Baumstamm, der zweimal überwunden werden musste, und es gab für die Hunde auf beiden Seiten keine Möglichkeit, sich abzustützen. Hier spielten sich wahre Dramen ab und die Hunde kamen z.T. sehr abgekämpft aus dem Wasser – aber alle mit Ente.
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Der Samstag gehörte Agility und Obedience. Wir sahen – sicherlich nicht anders als bei uns – schnelle, langsamere, sauber geführte, schlampig geführte, kläffende, stille Hunde mit laut brüllenden Hundeführern ebenso wie mit ganz leisen. Lustig war, dass sich viele „Hardcorejäger“, die am Vortag ihre Hunde noch mit viel Routine und Souveränität durch die Jagdprüfungen geführt hatten, heute echt „zum Affen machten“ und einen Heidenspaß hatten – ihre Hunde nicht weniger.
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In Nordamerika ist es so, dass die strengen Winter teilweise ein halbes Jahr lang kein Training draußen möglich machen. Also geht man während dieser Zeit mit den Hunden in Hallen und trainiert Agi und Obi – und z.T. wohl auch Flyball.
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Sonntag war große Schau, die leider trotz schönem Wetters in einer Halle stattfand. Gerichtet wurde in nur einem Ring mit nur einer Richterin, was das Ganze zu einer endlosen Veranstaltung machte. Es gab Klassen wie bei uns auch, dann aber auch wieder solche, die wir hier (oder ich…) so gar nicht kennen oder zumindest eher selten sehen. Stud dog (Zuchtrüde) mit zwei seiner Nachkommen zum Beispiel, oder Hunde, die innerhalb einer Klasse egal welchen Geschlechts und Alters von ihren Züchtern vorgeführt wurden (Bred by exhibitor). Dann noch mal einzeln Brood bitch (Zuchthündin) und Stud dog, kastrierte Brood bitches und Stud dogs und dann all diese Hunde noch mal in den offenen Klassen und / oder der Gun dog Klasse…
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Auffallend war, dass es gewichts- und größenmäßig in keiner Klasse größere Abweichungen nach oben oder unten gab. Die Hunde sind mittelgroß, von mittel(!)schwerer Statur, eher kurz im Rücken und haben wohlproportionierte, eher lange Beine. Hunde mit zu extremen Winkelungen habe ich ebenfalls kaum gesehen. Alles in allem ein schönes, harmonisches Gesamtbild mit vielen tollen Hunden, die ausnahmslos alle sehr entspannt und gut gelaunt wirkten, trotz Hektik und Enge. Es gab keinen Stress und keinen Zoff – zumindest nicht, dass wir ihn bemerkt hätten. Generell empfand ich die meisten Toller dort als weniger distanziert gegenüber Fremden als bei uns. Jegliche Kontaktaufnahme wurde gerne erwidert, und nicht selten schmissen sich fremde Hunde vor uns auf den Rücken und baten um Bauchkraulen. Die meisten Hunde wurden übrigens frei gestellt, nur die wenigsten aufgebaut.
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Allerdings ist der Aufwand, der um Shows gemacht wird, schon um einiges größer als bei uns. Jeder Hund wurde zuvor gewaschen, einshampooniert, ausgewaschen, mit Spülung versehen, diese 5 min einmassiert, wiederum ausgewaschen, irgendein Spray aufgetragen und wiederum einmassiert, gefönt, gebürstet und getrimmt (Ohren und Pfoten). Und das ganze, wenn es am nächsten Tag noch mal in den Ring ging (die Shows gingen über drei Tage, Haupttag war aber Sonntag), am nächsten Morgen noch mal – auch wenn der Hund in der Zwischenzeit noch nicht einmal spazieren war. Und auch im Ring wurde, wenn die Richterin gerade nicht guckte, geschickt weitertoupiert, glatt gestriegelt oder aufgepuschelt. Generell wäscht man in Nordamerika seine Hunde gerne und viel – auch ohne Shows. Es ist gesellschaftlich etabliert, den Hund mindestens einmal die Woche in einen professionellen Waschsalon (an jeder Ecke in jeder noch so kleinen Stadt) zu geben – oder es eben selbst zu machen.
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Noch ein interessanter Aspekt: Trotz der großen Distanzen, die teilweise innerhalb Nordamerikas (Kanada eingeschlossen) zu überwinden sind, wird hier wenig mit künstlicher Besamung gearbeitet. Es ist üblich, die Hündin als Cargofracht zum Rüden zu fliegen (oder auch andersrum), und danach eben wieder zurück. Ebenso sind Progesterontests u.ä. eher selten. Man lässt die Hunde so lange beieinander (natürlich mit Pausen), bis sie „fertig sind“ – meist eine ganze Woche. Und: Es heißt hier „Touuler“ und „touuling“ statt „Toller“ und „tolling“.
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Fazit: War klasse. Danke, Mo! ;-) Viel gelernt und viele(s) kennen gelernt, einiges ist anders, wird krass „nüchterner“ gesehen als bei uns oder auch verspielter, aber verrückt nach ihren Hunden und mit Leib und Seele dabei sind sie „dort drüben“ ebenso wie wir hier.
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